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Sissi Farassat

Die Müllers, 2008

Ausstellungsdauer:

03. Juni - 26. September 2010

Ausstellungsort:

Landesgalerie Linz

geboren 1969 in Teheran / Iran, lebt seit 1978 in Wien
www.farassat.wordpress.com
 


Sissi Farassat, aus der Serie / from the series »Die Müllers« [The Müllers], 2008

C-Prints mit Nähseide / C-prints with silk thread je 45 x 30 cm each

© VBK Wien, 2010

 
Sissi Farassat beschäftigt sich mit der medialen Verfasstheit weiblicher Identität, vor allem in Form von durch Handarbeitstechniken verfremdeten Fotografien. Die Künstlerin hat auf dem Flohmarkt Kleinbilddiapositive aus den 1960er-Jahren gefunden und diese Aufnahmen einer dreiköpfigen, vermutlich in Wien lebenden Familie auf Fotopapier umkopiert.

Davon bekommen die BetrachterInnen jedoch nur die weiße Rückseite zu Gesicht. Auf ihr haben die vorderseitig abgebildeten Personen, deren Umrisslinien die Künstlerin mit Nadel und Faden nachgestickt hat, gleichsam einen Abdruck hinterlassen. Das mühsam wiederholte Durchstechen der Bilder, die indexikalische Verbindung, die der Faden mit dem Lichtbild unterhält, nimmt Bezug auf Mythen und Theorien der Fotografie. Zugleich wird darin ein Rollenverständnis reflektiert, waren doch Sticken und das Beschriften von Familienalben typische Frauenaufgaben. Die mutmaßlichen Posen der anonymisierten Müllers wirken als Spuren der Vergangenheit zugleich wie Mustervorlagen aus einem kollektiven, familienspezifischen Bildgedächtnis. Sie spiegeln eine Gebrauchsweise der Fotografie wider, die das Fotografiertwerden noch als besonderen Moment kennzeichnet, bei dem sich die Abgebildeten »bereits im Voraus zum Bild« verwandelten (Roland Barthes). Auch die rückseitig aufgedruckten Ziffern und Firmennamen verweisen auf Prozesse der Identifikation, auf beinah vergangene fotografische Zeitalter. Inwiefern sich die Künstlerin bei ihrer Aneignung überhaupt an das dokumentierende »Versprechen« der Fotografie hält, ist nicht überprüfbar: Was die Bilder auf der anderen Seite tatsächlich zeigen, wird von unserer Fantasie entschieden.

(Stefanie Hoch)

 

 

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